Wie alles begann

Seit 30 Jahren Deutsche Doggen, wo fängt man da bloss an?

Ich glaube, mit demjenigen, welchem ich es verdanke, dass ich zur Deutschen Dogge kam.

Meinen Mann Walter Gubser lernte ich in meiner Heimat Norwegen kennen. Ich wohnte dort zufällig mit einer Schweizerin zusammen und arbeitete als Sekretärin und Uebersetzerin in einer norw. Schwesternfirma von Brown-Boverie, Baden/CH. Walter Gubser wurde uns vom Sekretär des Schweiz. Konsulat sozusagen „zugestellt“. Er kam, sah und blieb. Jedenfalls war ich ein Jahr später mit ihm verheiratet und wohnte in der Schweiz, obwohl ich zuerst vor hatte nach Amerika zu meiner Verwandtschaft zu fahren und um später auf einem norw. Schiff die Welt kennenzulernen. Inzwischen habe ich durch die Ausstellungen bedingt mehr oder minder Europa bereist. Meinen allerersten Kontakt mit einer Dogge hatte ich 1965. Ein Onkel von mir hatte einen gelben Rüden. Dieser grosse Bursche sass immer auf „seiner“ Couch und bellte mich bei jedem Besuch so fürchterlich an, dass mir die Ohren weh taten, und ich mir sagte, bei all meiner Hundeliebe (aufgewachsen mit Hund), so einen Hund nicht!!!

Mein Mann dagegen hatte schon als ca. 5jähriger regen und guten Kontakt mit einer gelben Dogge. Der Chef von seinem Vater besass diese Dogge. So der grösste Kindheitstraum von meinem Mann waren: ein eigenes Haus und Doggen. Beides hat sich inzwischen erfüllt. Ich selber wuchs auf in Norwegen auf dem Lande mit vielen Tieren. Und ein Hund, ein sogen. norw. Elchhund war mein bester Kamerad. Er bewachte mich als Kleinkind Tag und Nacht. Er war mein erstes Kindermädchen, mein 2. war dann eine Dänin. Als ich später zur Schule ging, wollte „Skjorti“, so hiess der Hund, immer mitkommen, sodass mein Grossvater ihn immer einschliessen musste. „Skjorti“ fand aber doch noch Wege um zu mir in die Schule zu gelangen (ein Schulweg war ca. 4 km). Und den Briefträger liebte er heiss. Ich weiss nicht, wieviele „Pöstlerhosen“ mein Grossvater bezahlen musste.

Nachdem wir uns ein eigenes Haus angeschafft hatten, kam bei meinem Mann wieder der Wunsch nach einer eigenen Dogge. Einen Boxer hatten wir uns schon in Zürich zugelegt. Aber dieser Hund schaffte mich durch sein Temperament fast total. Zwei kleine Kinder waren ja auch noch da. Eine Dogge stiess bei mir zuerst auf grossen Widerstand. Doch ca. ein halbes Jahr später war auch ich überzeugt, eine Dogge muss her.

Da wir nichts von Stammbäumen, FCI, SKG, SCDD usw. wussten, landeten wir durch eine Tierärztin vom Tierspital Zürich bei einem Tierhändler. Bei diesem Händler sah ich zum ersten Mal eine blaue Dogge, einen Rüden. Natürlich, so einer sollte es sein. Doch waren zu dieser Zeit gerade keine Blauen auf „Lager“, nur gefleckte. Und wie das Amen in der Kirche landete natürlich dieser kleine gefleckte Rüde bei uns. Das war im Herbst 1973. Krank war er natürlich. Mit viel Geduld und grossen tierärztlichen Bemühungen und Kosten brachte ich ihn über den Berg, so dass er doch einigermassen nach einer Dogge aussah. Und wenn man eine Dogge besitzt und unter die Leute geht, wird man automatisch mit anderen Doggenbesitzern bekannt. So bekamen wir zu wissen, dass es auch einen Doggenclub gibt, in welchem man auch seine Dogge erziehen konnte. Also nichts wie hin, und ach welche Enttäuschung. Da man ja eine „papierlose“ Dogge hatte (eine schöne bunte Urkunde hatten wir doch für unseren Hund), konnte man (damals) diesem Club nicht beitreten, und deshalb auch nicht mitmachen, wurde uns höchstpersönlich vom damaligen Präsidenten, welcher auf dem Uebungsplatz anwesend war, und wir nach einigem Durchfragen fanden, kurz mitgeteilt. Wir standen da wie begossene Pudel und verstanden die Welt nicht mehr.

Wir mussten wohl so einen enttäuschten Eindruck gemacht haben, dass ein anderes Clubmitglied sich unser erbarmte und mit uns redete. So einigermassen wieder aufgestellt, fuhren wir wieder heim und schworen uns, die nächste Dogge sollte „eine Richtige“ sein. Nachdem unsere gefleckte Dogge mit 2 ½ Jahren verstarb, leisteten wir uns ein halbes Jahr später unseren ersten blauen Rüden „Hector v.Burkartshof“. Durch Hectors Züchterin Monika Pedetti kamen wir zum Club und auf die Ausstellungen . Auf vielen dieser Ausstellungen stachen mir speziell ein paar schöne Doggen ins Auge, und ich begann mich für die Doggen aus diesem französischen Zwinger zu interessieren. Deshalb sprach ich die Züchterin an und fragte sie, ob wir mal ihren Zwinger besuchen dürfte. Wir fuhren 2x nach Frankreich, bevor wir unsere blaue „Natacha“ heimholen konnten. Sie holte uns auf den Ausstellungen die höchsten Titel in Europa. Nur Nachwuchs brachte sie mir keinen, trotz intensiven Versuchen. Nach Natacha folgte „Orphée“ unser schwarzer Traumhund, welche sämtliche Titel gewann, u.a. Weltsiegerin.

Was viele nicht wissen, bei uns haben schon alle 5 Farben gelebt.

Seit Ende 1976 bin ich Mitglied im SCDD . Im Durchschnitt halten wir ca. 4 – 8 Doggen und haben 1 – 2 Würfe im Jahr, ab und zu mal 1 Jahr Pause dazwischen. Alle meine Doggen inklusive Würfe leben mit uns im Haus und Garten, und haben spezielle Ausläufe (Spielplätze) auf unserem Grundstück.

Ich wollte eigentlich gar nie mit züchten anfangen, aber nach den grossen Ausstellungserfolgen von Natacha und Orphée, nach all den Anfragen und Bitten, blieb uns gar nichts anderes übrig als mit der Zucht anzufangen. Es tönt blöd, aber es ist die Wahrheit. Und wenn man einmal angefangen hat, ist es als wenn man von einem Virus befallen wurde, den man nicht mehr los wird.

 

Doch der Anfang war sehr steinig und kostenaufwendig. Nach 2 Jahren „probieren“ (ab 1978) fiel endlich am 23. März 1980 der 1. Wurf, und wir waren rundum „Happy“. Züchten heisst eben „Glück und Pech nahe beieinander“.

Aber nicht Natacha noch Orphée brachten mir den 1. Wurf, sondern die blaue Olumpe, eine Wurfschwester von Orphée. Es waren nur zwei Welpen, ein Rüde und eine Hündin, aber was für welche, sehr gross und mächtig wurden beide, so schon mein erster Wurf stellte sehr grosse Anforderungen an mich bei der Aufzucht. Abraham hatte als ausgewachsener Rüde eine Risthöhe von 96 cm. Seine Schwester war auch nicht von „schlechten Eltern“. Damals hörten wir immer wieder den Spruch: Die Gubsers mit ihren zwei Rüden.

Mit Orphée x Abraham hatte ich meinen zweiten Wurf. Baccara, blau und Bismarck, schwarz behielt ich für die Weiterzucht. Bismarck entpuppte sich als grossartigen Vererber, obwohl er mehr der feminine Typ war. Er wurde 12 ½ Jahre alt, seine Schwester 11 Jahre..

Mit der Verpaarung Orphée x Bismarck, schwarz x schwarz, Sohn x Mutter hatte ich einen Superwurf, 3farbig, gelb, schwarz und blau, da in den Urahnen ein gelber Rüde eingekreuzt wurde (Cyrus a.d.Butz). Dieser Wurf war damals eine Sensation. Der blaue Rüde, Gromyko, wurde weltweit in die Zucht genommen. Von Bismarck wie Gromyko habe ich immer noch tiefgefrorenen Samen, welchen ich demnächst in die Zucht einsetzen werde.

Bei meinem I-Wurf gingen wir „fremd“. Die blaue Mira v.Cent Soucis (Abraham-Tochter) verpaarte ich mit einem schwarzen Rüden aus Amerika „Rachels Ravon Pal v. Willowrun“. Es wurde ein schöner Wurf, aus welchem ich die schwarze Iris für die Weiterzucht behielt.

Jede meiner Doggen ist mein Liebling, aber es gibt ab und zu eine Steigerung und die hiess „Jelinka“. Für mich speziell war und ist sie die beste und schönste Dogge überhaupt. Sehr gross, Risthöhe 92 cm, aber elegant, lady-likes, vornehmes Verhalten und starken Charakter. Sie war meine allerbeste und liebsteFreundin. Wir verstanden uns ohne Worte. Jelinka brachte mir einen wundervollen Wurf nach Bismarck: den O-Wurf. Die blaue Olympia behielt ich. Ihr schwarzer Bruder Othello wurde in ganz Europa mit grossem Erfolg in die Zucht genommen. Aus der Verpaarung Gromyko x Olympia behielt ich den blauen Sukarno. Er wurde sehr viel in der Schweizer und deutschen Blauzucht eingesetzt und einmal sogar in die russische Blauzucht.

Mit dem schwarzen Othello-Sohn Veron sicherte ich mir wieder eine hervor- ragende Nachzucht mit dem D-Wurf. Aus diesem Wurf behielt ich die schwarze Dolly und die blaue Dörthe.

Sein blauer Bruder Victor lebt in Australien und es wird dort sehr rege mit ihm gezüchtet, seine Nachkommen leben vor allem in den englischsprechenden Ländern.

Mit dem Z- und A-Wurf holte ich mir wieder neues Blut in die Zucht, durch die Verpaarung mit schwarzen Rüden aus gefleckt. Die blauen Rüden Zaro und Arvid-Arne entwickelten sich als gute Zuchtrüden und Vererber, speziell Arvid-Arne wird europaweit sehr gut eingesetzt. Seine Nachzucht kann sich sehen lassen und wird mit grossem Erfolg ausgestellt und weitergezüchtet.

Arvid-Arne wurde mit Erfolg in die Geflecktzucht eingesetzt. Auch sehr grosse Ausstellungserfolge hatte er bisher. Im Herbst wird er 7 Jahre jung. Von drei verschiedenen Linien habe ich i.M. blaue Zuchthündinnen (No.One aus Holland und Schari aus Deutschland) respektive Nachzucht nach Arvid-Arne. Die Jüngste(Ilka) ist gerade mal 5 Monate alt (Mutter Dörthe) und sehr vielversprechend.

Im Jahr 2000 feierten wir unser 20jähriges Zuchtjubiläum und können mit Stolz auf eine ganze Reihe hervorragender Zuchterfolge zurückschauen, in der Zucht wie auf Ausstellungen. Auch auf eine ganze Reihe von älteren Doggen über die ich mich ganz besonders freue.

Im Oktober 2002 konnten aus meinem R-Wurf noch 4 Wurfgeschwister ihren 10.ten Geburtstag feiern. Leider verstarb die 5. ca. 2 Monaten vor vollendetem 10. Lebensjahr. Einen ganz speziellen Dank an alle Besitzer/innen von unseren alten Doggen.

Seit Dezember 2000 bin ich im Besitz eines schwarzen Rüden aus gefleckt. Blacky kam als mein „Kurschatten“ zu uns und sollte zuerst weitervermittelt werden, aber mit seiner liebenswerten Art hat er sich in unsere Herzen ge-schlichen. Inzwischen habe ich ihn angekört und er wird sowohl in der Gefleckt- sowie Blauzucht mit viel Erfolg eingesetzt. Er selber würde auf einer Ausstellung „keinen Besenstiel“ gewinnen, aber seine Ahnentafel kann sich sehen lassen. Aus allen grossen Geflecktzuchten in Europa kommen seine Vorfahren.

Leider konnte ich nicht eingehender alles Geschehene erzählen, aber ich denke, 30 Jahre Leben mit Doggen würde bei mir ein paar Bücher füllen. Kann sein bin ich deshalb immer noch beim Züchten und Ausstellen von Doggen, weil ich immer eine Vision vor Augen habe und mir selber gegenüber immer treu war und gradlinig und grosszügig, eben wie es auch eine Dogge ist.

 

von Karin Gubser

 

Meiner ewigen und grenzenlosen Liebe „ Deutsche Dogge“ gewidmet.